Perücke bei Chemotherapie

Was in dieser Zeit mit dem Haar passiert, wann der beste Zeitpunkt für eine Perücke ist, was die Kasse übernimmt. Und woran Sie erkennen, dass Sie gut beraten werden.

Beate Dreher

August 12, 2026

Zweithaar-Expertin

Kurzfassung

Eine Chemotherapie stellt vieles auf einmal auf den Kopf. Für viele Frauen ist der Gedanke an den Haarverlust dabei besonders schwer, weil die Erkrankung damit für alle sichtbar wird. In der Beratung hören wir das immer wieder. Es geht selten um die Perücke. Es geht um die Blicke.

Dieser Text soll Ihnen die Entscheidung leichter machen. Er erklärt, was in dieser Zeit mit Haar und Kopfhaut passiert, wann Sie sich am besten kümmern und was die Krankenkasse übernimmt. Und er sagt Ihnen, woran Sie eine gute Zweithaarberatung erkennen, egal wo in Deutschland Sie eine suchen.

Was in dieser Zeit mit Haar und Kopfhaut passiert

Wann die Haare ausfallen

Nicht jede Chemotherapie führt zu Haarausfall. Das hängt von den eingesetzten Medikamenten ab und bespricht die behandelnde Onkologie mit Ihnen. Wenn die Haare ausfallen, beginnt das nach Angaben des Krebsinformationsdienstes meist ein bis drei Wochen nach Therapiebeginn. Oft geht es dann schnell, manchmal auch büschelweise. Viele Frauen merken es schon vorher daran, dass die Kopfhaut berührungsempfindlich wird oder spannt.

Die Kopfhaut verändert sich mit

Die Kopfhaut reagiert in dieser Zeit empfindlicher als sonst. Das ist eine der häufigsten Beobachtungen aus der Praxis. Mit einer ruhigen, milden Pflege lässt sich davon erfahrungsgemäß einiges abfangen: seltener waschen, milde Produkte, keine Stylingmittel direkt auf der Kopfhaut. Alles, was darüber hinausgeht, gehört in ärztliche Hände. Bei anhaltenden Rötungen, Pusteln oder offenen Stellen sprechen Sie bitte Ihre Onkologie oder eine Hautarztpraxis an. Eine Zweithaarpraxis ist für den Haarersatz zuständig, nicht für die Behandlung.

Perücke bei Chemotherapie

Das Wichtigste auf einen Blick

Am besten früh kümmern, idealerweise vor dem Haarausfall. Der Haarausfall beginnt meist 1 bis 3 Wochen nach Therapiebeginn (Quelle: Krebsinformationsdienst). Die Verordnung stellt meist die Onkologie aus, das Rezept ist nur 4 Wochen gültig. Bei der Kasse gilt die Kurzzeitversorgung, eine neue Perücke ist in der Regel nach 6 Monaten möglich. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt 10 Euro, sofern keine Befreiung vorliegt. Echthaar wird seit dem 1.2.2026 nur noch mit ärztlichem Attest bei Kunsthaar-Unverträglichkeit genehmigt. Häufigster Ablehnungsgrund ist eine fehlende oder ungenaue Diagnose auf dem Rezept. Bei empfindlicher Kopfhaut helfen milde Pflege und ein verträglicher Ansatz. Hautprobleme gehören zur Ärztin.

Wann Sie sich am besten kümmern

Kümmern Sie sich möglichst früh. Am besten, bevor die Haare ausfallen, oder gleich zu Beginn der Therapie. Der Grund ist ein ganz praktischer. Solange Ihr eigenes Haar noch da ist, lassen sich Farbe, Länge, Struktur und Scheitel am genauesten nachempfinden. Die Perücke sieht dann später aus wie Sie und nicht wie eine Veränderung.

Wenn die Haare schon ausgefallen sind, ist das kein Versäumnis. Dann wird mit Fotos aus der Zeit davor gearbeitet, und das Ergebnis ist genauso gut.

Sie müssen vorher auch nicht wissen, was Sie wollen. Viele Frauen kommen mit einem einzigen Satz in die Beratung: „Ich möchte aussehen wie vorher.“ Das reicht als Anfang völlig.

Ehrlich gesagt

Echthaar oder Kunsthaar entscheidet nicht die Diagnose. Es gibt keinen fachlichen Grund, Frauen in einer Chemotherapie automatisch auf Kunsthaar zu verweisen. Kunsthaar ist pflegeleichter und hält seine Form von selbst. Echthaar lässt sich individueller gestalten und braucht mehr Pflege. Was zu Ihnen passt, entscheiden Sie, nachdem Ihnen jemand beide Unterschiede in Ruhe erklärt hat.

Bei der Kasse gibt es dabei seit Kurzem eine Einschränkung. Seit dem 1. Februar 2026 wird eine Echthaarperücke nur noch genehmigt, wenn eine Unverträglichkeit gegen Kunsthaar ärztlich attestiert ist. Die Anfrage stellt die Zweithaarpraxis, weil sie die Zulassung bei der Kasse hat. Auf dem Rezept muss ausdrücklich „Echthaar“ stehen. Wählen können Sie Echthaar trotzdem. Die Differenz tragen Sie dann selbst.

Einen pauschalen Eigenanteil kann Ihnen niemand seriös nennen. Er hängt vollständig von der Perücke ab: Verarbeitung, Handknüpfung, Haarlänge, Feinheiten. Je feiner die Arbeit, desto höher der Preis. Was Sie aber erwarten dürfen: Ihr Eigenanteil steht fest, bevor Sie sich entscheiden. Wenn eine Beratung Ihnen erst am Ende sagt, was Sie zahlen, ist das ein schlechtes Zeichen.

Und das Wichtigste. Der Haarausfall durch eine Chemotherapie ist in aller Regel vorübergehend. Sind die Medikamente abgebaut, beginnt das Haar meist innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder zu wachsen. Die Perücke ist also oft eine Begleiterin auf Zeit. Das nimmt vielen Frauen den Druck. Es geht nicht um „für immer“, es geht um ein gutes Gefühl jetzt.

Woran Sie eine gute Zweithaarberatung erkennen

Die Qualität der Versorgung entscheidet sich nicht am Preis der Perücke. Sie entscheidet sich an der Beratung. Die folgenden Punkte sind ein verlässlicher Maßstab, egal wo Sie eine Praxis suchen.

Ein geschlossener Raum

Die Beratung gehört in einen Einzelraum. Nur Sie, Ihre Beraterin und, wenn Sie möchten, eine Begleitperson. Kein Verkaufsraum, kein Wartebereich, kein Publikum. Eine Anprobe zwischen anderen Kundinnen im Friseursalon ist für diese Situation der falsche Ort.

Erst zuhören, dann Perücken

Eine gute Beratung fängt mit Fragen an. Wie haben Sie Ihr Haar getragen? Was möchten Sie zurückhaben? Wer Ihnen sofort ein Modell aufsetzt, hat den entscheidenden Teil übersprungen.

Der Sitz wird getestet, nicht behauptet

Ob eine Perücke hält, merkt man nicht im Sitzen vor dem Spiegel. Kopfschütteln, Zopf binden, Haare hochstecken. Der Maßstab ist volle Bewegungsfreiheit. Sie sollen alles machen können, was Sie sonst auch machen.

Der Ansatz wird nach Verträglichkeit ausgewählt

Sehr feine Lace-Fronts sind gerade beliebt, weil der Ansatz unauffällig ist. Sie jucken erfahrungsgemäß aber häufig auf der Kopfhaut, und das wird während einer Chemotherapie schnell unangenehm. Ein PU-Ansatz mit Beschichtung ist etwas fester und dafür deutlich ruhiger auf der Haut. Bei bekannten Materialunverträglichkeiten lässt sich über eine Anfertigung mit Baumwollbereich fast immer eine Lösung finden. Fragen Sie danach. Wenn die Antwort differenziert ausfällt, sind Sie richtig.

Die Kassenformalitäten werden übernommen

Eine zugelassene Zweithaarpraxis reicht Ihr Rezept ein, stellt vor der Versorgung eine Kostenvoranfrage bei Ihrer Kasse und rechnet direkt ab. Zwei Fristen sollten Sie kennen. Ein Rezept ist ab Ausstellung nur vier Wochen gültig. Und die Zusage der Kasse dauert je nach Kasse wenige Tage bis zwei oder drei Wochen. Bei Betriebskrankenkassen ist immer eine Vorabanfrage nötig.

Der häufigste Stolperstein liegt beim Rezept

Die meisten Rückfragen und Ablehnungen kommen daher, dass die Diagnose fehlt oder zu ungenau ist. Achten Sie darauf, dass die Diagnose mit ICD-Nummer daraufsteht und die richtige Versorgungsart genannt ist, also ganze Perücke oder Haarteil. Das lässt sich vorher klären, bevor Sie mit einem unbrauchbaren Rezept aus der Arztpraxis gehen.

Aus 30 Jahren Praxis

Beate Dreher berät seit rund 30 Jahren Frauen in dieser Situation. Eine Haltung ist ihr dabei besonders wichtig: kein Mitleidsblick. „Für mich sind Haare etwas, wo man wirklich helfen kann, wo es Spaß und Freude macht. Und diese Freude transportieren wir auch zu unseren Kunden.“

Drei Sorgen kommen fast immer zur Sprache. Dass man die Perücke sieht. Dass sie nicht zum eigenen Typ passt. Dass sie bei starkem Wind verrutscht. Alle drei lassen sich in der Beratung auflösen, mit Anprobe, Bewegungstest und einer ehrlichen Rückmeldung, auch wenn ein Modell einmal nicht passt.

Viele Frauen bringen außerdem die Sorge mit, eine Perücke sehe aus wie eine Fasnachtsperücke. Das ist die häufigste Fehlvorstellung. Perücken lassen sich in Form, Farbe und Struktur individuell gestalten.

Das Ziel ist das gewohnte Spiegelbild. Gleichzeitig darf es auch etwas Neues sein. Wer immer Naturwellen hatte, kann sich jetzt für glattes Haar entscheiden. Es kommt vor, dass Frauen in dieser Zeit etwas entdecken, das ihnen sogar besser gefällt als vorher.

Vier Schritte von der Verordnung bis zur fertigen Perücke

So läuft die Versorgung ab

1

Rezept ausstellen lassen

Die Verordnung stellt meist die behandelnde Onkologie aus. Achten Sie auf die genaue Diagnose mit ICD-Nummer und die richtige Versorgungsart. Ab dem Ausstellungsdatum ist das Rezept nur vier Wochen gültig.

2

Termin vereinbaren

Am besten vor oder zu Beginn der Therapie, solange das eigene Haar noch da ist. Innerhalb der vier Wochen ist ein Termin in der Regel gut zu bekommen.

3

Auswählen und anfragen

Anprobe, Bewegungstest, Entscheidung für Material und Form. Danach reicht die Praxis das Rezept ein und stellt die Kostenvoranfrage bei Ihrer Kasse. Ihr Eigenanteil steht fest, bevor Sie sich festlegen.

4

Anpassen und abrechnen

Nach der Zusage wird die Perücke an Ihren Kopf und Ihren Wunschschnitt angepasst. Eine zugelassene Praxis rechnet direkt mit der Kasse ab. Ob Sie in Vorkasse gehen, hängt vom Preis der Perücke ab.

Wenn eine Chemotherapie ansteht, ist der wichtigste Schritt, sich früh einen Termin in einer Zweithaarpraxis zu geben. Am besten schon vor Therapiebeginn. Nehmen Sie sich Zeit für die Beratung und bringen Sie jemanden mit, wenn Ihnen das hilft.

Unsere Praxis finden Sie in Ihringen bei Freiburg. Wenn Sie in der Region sind, vereinbaren Sie gerne ein Beratungsgespräch. Wir nehmen uns Zeit und klären die Kassenfrage für Sie. Wenn Sie weiter weg wohnen, nutzen Sie diesen Text als Maßstab für die Praxis in Ihrer Nähe. Fragen dazu beantworten wir auch dann gerne.

FAQ

Häufige Fragen zur Perücke bei Chemotherapie

Wann sollte ich mich um eine Perücke kümmern?

Am besten vor Therapiebeginn oder gleich zu Beginn. Solange das eigene Haar noch da ist, lassen sich Farbe, Länge und Struktur am genauesten nachempfinden. Später ist es genauso möglich. Dann wird mit Fotos aus der Zeit davor gearbeitet.

Zahlt die Krankenkasse bei Chemotherapie?

Ja. Bei krankheitsbedingtem Haarausfall besteht ein Anspruch auf einen Zuschuss zum Haarersatz. Bei Chemotherapie gilt die Kurzzeitversorgung, eine neue Perücke ist in der Regel nach sechs Monaten wieder möglich. Die Höhe unterscheidet sich je nach Kasse und Region. Den genauen Betrag fragt die Zweithaarpraxis für Sie an.

Echthaar oder Kunsthaar während der Chemo?

Beides ist möglich, die Diagnose entscheidet das nicht. Kunsthaar ist pflegeleichter, Echthaar individueller. Seit dem 1. Februar 2026 genehmigen die Kassen Echthaar allerdings nur noch mit einem ärztlichen Attest über eine Unverträglichkeit gegen Kunsthaar.

Was muss auf dem Rezept stehen?

Die genaue Diagnose mit ICD-Nummer und die richtige Versorgungsart, also ganze Perücke oder Haarteil. Bei Echthaar zusätzlich der Vermerk „Echthaar“ plus Attest. Eine fehlende oder ungenaue Diagnose ist der häufigste Grund für Rückfragen und Verzögerungen.

Wie lange dauert es, bis die Kasse zusagt?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Kassen antworten innerhalb weniger Tage, andere brauchen zwei bis drei Wochen. Bei Betriebskrankenkassen ist immer eine Vorabanfrage nötig. Planen Sie diese Zeit ein, wenn die Therapie kurz bevorsteht.

Wachsen meine Haare nach der Chemotherapie wieder?

In aller Regel ja. Sind die Medikamente abgebaut, beginnt das Haar meist innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder zu wachsen. Am Anfang kann es anders aussehen als vorher. Wie es in Ihrem Fall aussieht, bespricht Ihre behandelnde Ärztin mit Ihnen.